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Die Genehmigung der neuen Herdebuchordnung des Schweizerischen Haflingerverbandes (SHV) erforderte eine ausserordentliche Delegiertenversammlung. Ohne Gegenstimmen wurde das neue Zuchtprogramm angenommen und tritt per 1.1.2016 in Kraft.

Wichtigster Punkt der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom Samstag, 19. Dezember in Reiden (LU) war die Abstimmung über das neue Zuchtprogramm des SHV. Bereits vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) vorgeprüft, kann es nun nach Annahme der Versammlung definitiv zur Genehmigung eingereicht werden. Das Zuchtziel gestützt auf die Vorgaben des Welthaflingerverbandes (HWZSV). Das Selektionsmodell des italienischen Nationalverbandes (ANACRHAI) fliesst ebenfalls mit ein, Software und Datenverwaltung werden künftig durch den Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband (SHPZV) gewährleistet. Auch die nötige BLW Verbandsvorgabe einer jährlichen Zucht-wertschätzung der Schweizer Haflinger kann mit dem optimierten Datenaustausch gesichert werden. Mit dem neuen Index können die Züchter künftig ihre Pferde auf internationaler Ebene in aussagekräftigeren Vergleich bringen.

Der SHV bleibt eigenständig, die Annahme des neuen Zuchtzieles erfordert aber eine Anpassung der Gebührenordnung. „Die Preise der neuen Gebührenordnung werden nicht steigen“, versicherte SHV Präsident Peter Zimmermann. Auch die sofortige Anpassung des Körreglements, sowie der Richtlinien der Fohlenschau und des Feldtestes werden umgehend in Angriff genommen und auch hier stützen sich die Reglemente an die Italienischen Vorgaben. Neu sind Hengste, die in Italien gekört sind, auch für die Schweiz ohne zusätzliche Körung anerkannt. Im Gegenzug gilt für inländische Hengste, die nach dem 1.1.2016 an der Schweizer Körung zur Zucht zugelassen werden, die Anerkennung zum Deckeinsatz in Italien.

An den Fohlenschauen wird nach bewährtem Schweizer System mit der 3-Notenregelung des SHV gewertet, punktiert und kommentiert. Jungstuten und Hengste hingegen werden künftig nach italienischem Bewertungsschema beurteilt.

OFFENE DISKUSSION

Der Präsident informierte und erläutert das überarbeitete Zuchtziel. In einer angeregten, objektiven Diskussion gab es verschiedene Wortmeldungen aus den rund 34 Delegierten der acht Haflingerzuchtgenossenschaften/ Vereine zur bevorstehenden Neuerung. „Es gilt zu bedenken, dass wir mit dem neuen Zuchtprogramm und der Abhängigkeit vom Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband unsere Eigenständigkeit und das alleinige Bestimmungs-recht verlieren. In unserem Naturell liegt die demokratische Entscheidungsfreiheit und es dürfte künftig etwas schwer fallen, uns nach den Vorgaben ausländischer Verbände zu richten“, so Daniel Steinmann (Richter SHV). „Klar wird die Haflingerzucht durch die Verbände Nord- und Südtirol dominiert, wo auch die meisten Haflinger gezüchtet werden. Wir richten uns aber nicht gezielt nach deren Vorgaben, sondern nach der ganzen, grossen Haflingerwelt“, argumentierte Zimmermann. “Unsere Eigenständigkeit wird wohl eingeschränkt, aber mit unserer kleinen Population ist es nicht sinnvoll einen Sonderzug zu fahren. Um unsere Zukunft zu sichern, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Neuerungen vorzunehmen“, meinte der SHVZuchtverantwortliche Wendelin Aebischer.

Schlussbemerkung des Präsidenten: „Ich bin überzeugt und optimistisch eine gute Lösung gefunden zu haben, um unsere Haflinger weiter züchten und erhalten zu können. Dies ist der beste Weg, der in eine gesicherte Zukunft führt“. Erstmals wird das neue Bewertungssystem an der Haflinger Hengstkörung vom 5. März in Frauenfeld angewendet.

Sandra Leibacher

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